Segmentierung ist ein wichtiges Instrument im Marketing. Kunden werden gruppiert, also in Segmente unterteilt, um sie besser ansprechen zu können. Für jedes Segment werden dann gezielte Kampagnen durchgeführt und durch die genaue Abstimmung der Kampagnen auf die Zielgruppe wird das Ergebnis maximiert. Dabei von Manipulation zu sprechen ist vielleicht übertrieben, aber im Grunde ist es genau das. Eine gezielte Kampagne will die richtigen Knöpfe drücken.

Max Barry greift dies in seinem Buch Lexicon auf. Eine Organisation trainiert ihre Mitglieder darauf, Menschen in Segmente einzuteilen und dann mit Hilfe von Worten zu manipulieren. Daher rührt der Untertitel Worte sind Waffen. Dabei müssen Hunderte von Segmenten erlernt werden und das richtige für eine Person erkannt werden, was schwierig ist.

In der Realität wird Big Data dazu genutzt, die Segmentierung bis hin zur Einzelperson zu treiben. Jeder und jede ist dann sein/ihr eigenes Segment und kann optimal angesprochen, beeinflusst werden. Ein hoher Grad an Individualisierung ist nicht nur bei der Segmentierung das Ziel. Auch bei der Produktion wird bis zum individuellen Einzelstück automatisiert, was dort unter dem Stichwort Losgröße 1 bekannt ist (mehr beispielsweise hier).

Untergang

Im Buch Lexicon wird die Segmentierung nicht so weit getrieben. Big Data spielt interessanterweise auch keine Rolle. Wozu die Manipulationen eigentlich genutzt werden sollen, ob im Guten oder im Bösen, bleibt ebenfalls im Dunklen. Die natürlich folgende totale Manipulation geht dann auch gerade nicht den Weg der maximalen Segmentierung und somit wird der Schwenk vom überspitzten Jetzt zur Babel Geschichte (dem Turmbau) vollzogen.

Barry ließ mich über lange Strecken im Unklaren, worum es eigentlich geht und worauf das alles hinausläuft. Die Grundidee von Lexicon hat mich jedoch gefesselt und über diese Ungewissheit getragen. Ein Buch, das Spaß gemacht hat zu lesen.