Wer lernt nicht gerne etwas dazu? Aber möglichst mit wenig Aufwand. Bequem von Zuhause. So, wie Zeit ist. Da ist ein MOOC – Massive Open Online Course – gerade das Richtige. MOOC sind die moderne Form der Fernuniversität. Sie sind einfach zugänglich und erlauben das Lernen vom Sofa aus. Es gibt Kurse kostenlos und gegen Bezahlung von kommerziellen Anbietern. Englisch als Sprache ist bei vielen Angeboten im IT Umfeld üblich.

Fängt man einen Kurs an, so fällt auf, dass das „dran bleiben“ nicht so einfach ist. Ohne einen gewissen Druck ist die Überwindung des inneren Schweinehunds – zumindest für mich – nicht zu haben. Will man wirklich etwas lernen, ist der Schreibtisch doch sinnvoller als das Sofa. Dementsprechend sind die Abbruchquoten extrem hoch. Außerdem ist das Lernen alleine manchmal öde und bei komplexem Stoff häufig nicht machbar. Teams oder zumindest Foren zur Unterstützung müssen her.

Schon seit einiger Zeit habe ich Interesse an Big Data Analysen, Maschinellem Lernen und Visualisierungen. Dazu habe ich hier und da kleinere Kurse gemacht, die mich aber nicht wirklich weiter gebracht haben. Im Sommer habe ich mich daher dazu entschlossen, einen längeren Kurs zu machen. Ich habe vorher keine Untersuchung gemacht, welcher MOCC Anbieter geeignet ist. Irgendwo bin ich auf das Nanodegree Programm von Udacity gestossen und das hat mich so angesprochen, dass ich es abgeschlossen habe. Nanodegree ist nicht nur ein einzelner Kurs sondern eine Folge von zusammenhängenden Kursen zu einem Thema. Jeder dieser Kurse wird von Coaches begleitet und mit einem Projekt abgeschlossen. Die angestrebte Gesamtlaufzeit beträgt ungefähr 12 Monate. Je Monat kostet das Nanodegree 200$.

200$ ist eine Menge Geld, aber, wie oben gesagt, ohne Druck geht es nicht. Dieses Geld sollte für mich den nötigen Druck erzeugen, wirklich an den Kursen und Projekten zu arbeiten. Alle Kurse kann man bei Udacity auch kostenlos machen. Natürlich inklusive der Projekte. Allerdings gibt es dann keine Unterstützung von Udacity und kein Review der Projektergebnisse. Ob 200$ zu viel oder angemessen ist, mag jeder für sich selbst entscheiden. Ich fand das eigentlich grenzwertig viel, aber Gespräche mit Kollegen und Freunden haben mir gezeigt, dass so gut wie niemand überrascht war und das meist als angemessen betrachtet wird. Vielleicht stimmt das sogar, denn es wird durchaus etwas geboten für’s Geld (die Kurse, die Übungen, die Projekte und deren Review, sowie die Platform selbst, Foren, etc.). Außerdem bekommt man bei erfolgreichem Abschluss innerhalb von 12 Monaten 50% des Geldes von Udacity zurück. Ebenfalls ein Punkt, der den Druck aufrecht erhält, das Programm bis zu Ende durchzuhalten.

Ich habe im Juli das Nanodegree Data Analyst gestartet. Dieses beschäftigt sich mit Statistik, Datenanalysen, Maschinellem Lernen, Visualisierungen und A/B Tests. Ein breites Spektrum mit einer Einführung in die Theorie und vielen praktischen Umsetzungen in R, Python, MongoDB, DimpleJS und vielem mehr. Das Programm hat mir gut gefallen, mich aber durchaus gefordert. Die 10 Stunden pro Woche, die für 12 Monate veranschlagt werden, sind realistisch. Natürlich hängt das von den persönlichen Vorkenntnissen ab.

Ich habe heute mein letztes Projekt abgeschlossen und das Programm damit erfolgreich beendet. Das ist schneller als 12 Monate gewesen, weil ich in der Lage war, deutlich mehr Zeit zu investieren als 10 Stunden pro Woche. Habe ich nun etwas von dem Abschluss? Direkt erst mal nicht, weil nun, auch wenn sich der Aufwand hoch anhört, nicht mehr als Grundkenntnisse in den behandelten Themen vorhanden sind. Trotzdem denke ich, die Zeit war gut investiert. Meine Erfahrungen mit MOOC sind also positiv.

[Ergänzung 17.10.2016] Die Projektergebnisse aus dem Nanodegree Data Analyst habe ich auf GitHub. Sie können hier angeschaut werden.