Google ist mir deutlich unheimlicher als Apple, aber sympathischer als Facebook. Apple verdient sein Geld hauptsächlich mit Hardware und ist daher nicht auf die Nutzung von Daten der Kunden angewiesen. Die Plattform Apple kann man auf Grund ihrer Geschlossenheit trotzdem kritisieren. Facebook ist auf die Daten der Nutzer angewiesen. Gerade in der geschickten Ausnutzung der doch meist privaten Daten für Werbung liegt das Geschäftsmodell. Ob der Nutzen des sozialen Netzwerks trotzdem groß genug ist, muss jeder selbst entscheiden.

Auch Google lebt natürlich von der Werbung, aber die direkte Ausnutzung meiner persönlichen Daten scheint mir nicht wesentlich oder ausschließlich zu sein. Google profitiert hauptsächlich von der großen Menge der Nutzer und ihrer Daten. Die Marktmacht von Google ist jedoch schon beängstigend und die Ziele, vor allem für die etwas fernere Zukunft, nicht zu durchschauen.

Ich war sehr gespannt auf das Buch „How Google works“ von Eric Schmidt und Jonathan Rosenberg. Welche Einblicke erlaubt es in die Internas von Google? Natürlich darf man das beschriebene nicht auf die Goldwaage legen. Schmidt/Rosenberg sind extrem stolz auf ihr Unternehmen und sehen es als das beste der Welt. Vielleicht nicht ganz zu unrecht. Der rasante Aufstieg ist definitiv beeindruckend.

Wie bei vielen Internet Unternehmen wird auch bei Google zwischen Kunden und Nutzern unterschieden. Kunden sind die, von denen das Geld kommt, also die Werbetreibenden. Nutzer sind die, die die angebotenen Services nutzen. Obwohl für die Einnahmen die Kunden wichtig sind, steht der Nutzer an vorderster Stelle. Von Anbeginn hatten die Gründer die These, dass ein für Nutzer gut gemachter Service letztendlich auch dafür sorgt, dass man damit Geld verdienen kann. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mit einem Freund das erste mal Google Maps bzw. Google Earth angeschaut habe. Wir waren fasziniert davon, konnten uns aber nicht vorstellen, wieso Google das macht und wie damit Geld zu verdienen ist. Nach dem Lesen des Buches habe ich den Eindruck, dass das wirklich ein Prinzip bei Google ist. Etwas tolles und spannendes für die Nutzer wird gemacht, wenn es geht. Das Geld verdienen ergibt sich dann schon. Ein Teil der Arbeitszeit können Mitarbeiter für eigene Projekte verwenden. So wird Innovation aktiv gefördert.

Eng damit hängt auch das Motto „Don’t be evil“ zusammen. Mit den Nutzern im Zentrum des Interesses macht das Motto Sinn. Ob das wirklich das Handeln immer bestimmt, kann ich nicht sagen, wahrscheinlich nicht. Google muss sich im Wettbewerb behaupten und daher sicher manchmal auch die Ellbogen ausfahren. Aus dem Buch wird das Motto immerhin verständlich und ist allemal glaubwürdiger als die Mottos von Enron oder Lehmann Brothers, die sich schön anhören, aber, wie wir wissen, nichts mit der Firmenpolitik zu tun hatten.

Im Gegensatz zu vielen „alten“ Unternehmen wird bei Google Widerspruch gefördert (also nicht so wie bei VW einfach alles abgenickt und Kritik unterdrückt). Laut Buch ist jeder aufgerufen mitzudenken und Problem oder Schwierigkeiten zu artikulieren. „If everyone is thinking alike somebody isn’t thinking“ ist eine interessante Feststellung. Jede Meinung wird Respekt entgegen gebracht. Googles Credo für Meetings ist aber auch: Jedes Meeting braucht genau einen Owner / Decision Maker. Diskussionen sind wichtig, aber zum Schluß gibt es eine Entscheidung. Zu Zusammenarbeit und Firmenkultur gibt es eine ganze Menge Ratschläge, die mir aber nicht neu erscheinen.

Ein eigener Abschnitt des Buches beschäftigt sich mit der Auswahl neuer Mitarbeiter. Klar, bei dem Wachstum des Unternehmens war es bestimmt entscheidend, kontinuierlich neue geeignete Mitarbeiter zu bekommen. Der damit verbundene Prozess ist so wichtig, dass er sich in den Zielen aller Mitarbeiter findet. Alle haben die Aufgabe, an der Auswahl mitzuwirken. Für Firmen mit „normalem“ Wachstum ist das wohl nicht so wichtig. Ich kenne das in dem Maße auch nicht. Die Fragen, die in Google Interviews gestellt werden (können), sind zumindest legendär.

„How Google works“ scheint sich in großem Maße an zukünftige Firmenlenker, Gründer von Startups, zu wenden. Jedes Kapitel endet mit einer Reihe von Ratschlägen und Zusammenfassungen. Obwohl ich nicht zu dieser Gruppe gehöre, fand ich es sehr interessant und kann es nur empfehlen, obwohl es nicht mehr neu ist.