Ich lebe nun schon über 10 Jahre in Untergiesing. Als Beitrag für die Blogparade der IronBloggern München zum Thema München möchte ich euch einen Einblick in diesen Stadtteil geben. Seit über einem Jahr bin ich Mitglied bei den IronBloggern und habe Spaß an dem Austausch untereinander und bin froh über die Motivation zu bloggen.

Nun aber zu Untergiesing.

Isar

Ein wichtiges Merkmal von Untergiesing ist seine Lage direkt an der Isar. Wer kennt nicht den Flaucher, die große Partymeile an der Isar. Ich wohne direkt an den Isarauen, die die Isar in Untergiesing und Thalkirchen umgeben. Das ist toll, weil es so nah zur Isar ist, aber manchmal lästig, wenn man bei schönem Wetter keinen Parkplatz bekommt und die Grillschwaden rüber ziehen.

Die Isar ist aber noch nicht lange so schön. Erst in den letzten Jahren ist sie renaturiert worden. Eine Aktivität, für die ich der Stadt München dankbar bin. Hier findet ihr ein interessantes Zeitraffer Video dazu.

Die starke Nutzung der Isar führt nun zu Diskussionen über die Belästigungen und den Müll. Das sehe ich ganz entspannt. Ich bin froh, dass die Stadt München ein Naherholungsgebiet zum Feiern und Grillen hat, das so gut angenommen wird. Die paar Wochenenden mit Müll können wir verkraften. Die Isar ist ebenso Naherholung für viele andere Gruppen und nicht nur den Party People. Das Füttern der Schwäne ist für manche eine willkommene Abwechslung und Spaziergänger und Angler gibt es ebenso.

Mir gefällt, dass das regelmäßige Hochwasser die Isar immer wieder umgestaltet. So entstehen neue Uferstrukturen und Inseln. Fast jedes Jahr sieht die Isar daher anders aus. Beim Hochwasser entsteht manchmal sogar eine Surfwelle, die – unerlaubterweise – auch genutzt wird. Auf den entstehenden Inseln werden gerne Partys gefeiert.

Sport ist an der Isar wichtiger Beschäftigung. Gejoggt wird hier zu jeder Tages- und Nachtzeit. Das bietet sich wegen der vielen Möglichkeiten zu laufen an. Fast jede Streckenlänge ist durch die Brücken und Wege in den Isarauen möglich. Nicht so bekannt ist der Trimm-Dich Platz in der Nähe der Agiloifinger Schule. Dort werden eine Vielzahl von Geräten zum Trainieren geboten. Das ist ideal zum Ausklang oder Stretching nach dem Joggen.

Gentrifizierung

In Untergiesing ist die Gentrifizierung nach meiner persönlichen Sicht nicht weit fortgeschritten. Vielleicht liegt es daran, dass der Großteil der Wohnungen ist genossenschaftlicher Hand und somit vor Luxussanierungen relativ sicher sind. Trotzdem gibt es einige wenige „Architekturbüros“ und „Spezialgeschäfte“, die typische Vorboten einer Gentrifizierung sein können. Vielleicht ist das jedoch eine Fehleinschätzung von mir, denn Veränderungen gibt es in Untergiesing. Um den Abriss der Tankstelle in der Schönstrasse war bestimmt niemand traurig. Dort steht jetzt ein Mehrfamilienhaus. Osram, die eine spannende Lichtinstallation am Mittleren Ring unterhielten, ist mittlerweile weggezogen. Was aus dem Osram-Gelände wird, ist noch nicht sicher. Hoffentlich nichts, was mit dem Agfa-Gelände vergleichbar ist. Dort (in Obergiesing) wurde spektakulär abgerissen und neu gebaut. Allerdings hört man, dass ein stattlicher Anteil der Wohnungen von Auswärtigen als Ferienwohnungen genutzt werden. So sollte es nicht sein. Ein paar kleine Häuser, wie man sie aus Haidhausen kennt, stehen auch in Untergiesing. Die bleiben hoffentlich trotz Baustellen erhalten.

Das Herz von Untergiesing ist der Hans-Mielich-Platz. Für dessen Gestaltung hat die Bürgerinitiative „Mehr Platz zum Leben“ lange kämpfen müssen. Nicht zuletzt dem unermüdlichen Einsatz von Melly Kieweg ist es zu verdanken, dass der Platz belebt wurde und nun dort Untergiesinger gerne verweilen, Veranstaltungen stattfinden und sogar jeden Donnerstag ein Wochenmarkt ist.

Hans-Mielich-Platz Untergiesing

Neben der Gentrifizierung ist die Verödung des städtischen Raums eine ebenso große Gefahr. Durch den schönen Platz und die Verkehrsberuhigung drum herum, wurde ein lebenswerter Raum in Untergiesing geschaffen.

Eine schöne Einrichtung ist der Poesiebriefkasten auf dem Hans-Mielich-Platz. Dort kann eigene Lyrik oder Poesie eingeworfen werden und bei speziellen Kunstaktionen werden die eingeworfenen Werke verlesen, so beispielsweise am letzten Wochenende bei dem Poesiefest.

Am Hans-Mielich-Platz ist mein Lieblingsweinhandel: das WoW. Sie haben eigene Weingüter und eine kompetente Beratung. Kann ich nur empfehlen.

Kunst

Kunst gibt es an einigen Stellen in Untergiesing. So auch regelmäßig in der Lutherkirche, zu der ich eine besondere Beziehung habe, weil meine Frau dort Pfarrerin ist. Die Lutherkirche liegt zwar auf dem Hochufer, gehört aber bezirksseitig immer noch zu Untergiesing. Die Fotos unten sind von der Kunstaktion zum Kirchentag in München und zeigen die Propheten mit Perücke.

Für mich spielt Street Art eine große Rolle. Sie ist in Untergiesing häufig zu sehen. So werden die Brückenpfeiler der Brudermühlbrücke immer wieder mit Unterstützung der Stadt neu besprüht (mehr dazu bei Soschy on Tour). Am Candidplatz gibt es relativ neu spannende Werke zu sehen, die unter anderem von Case gestaltet wurden. Und immer wieder tauchen in den Isarauen Kunstwerke, wie der unten gezeigte Baum, auf, bei denen man nicht weiß, wer sie gemacht hat und warum. Guerilla-Knitting gibt es natürlich auch, was mich sehr freut.

Die Bürgerinitiative „Mehr Platz zum Leben“ hat erreicht, dass die neue Lärmschutzwand von Graffiti Künstlern gestaltet werden kann. Ein tolles Projekt, auf das ich schon gespannt bin. Sie bietet über ihr Kunst Forum HMP (Hans-Mielich-Platz) Künstlern eine Plattform für Ausstellungen und Aktivitäten.

Geocaching

Eine schöne Art, Untergiesing kennen zu lernen, ist einige Geocaches hier zu machen. Am besten eignen sich dazu Multi-Caches, bei denen nacheinander Orte erkundet werden, um dann zu einem Endpunkt zu kommen. Bestens empfehlen kann ich den „Auer Mühlbach 2„. Er führt vorbei an der ehemaligen Kraemer’schen Kunstmühle (dort ist die schöne Kaffee-Rösterei Fausto) und den Templern. Auch der Geocache „Auer Mühlbach 3“ ist sehr schön. Er führt durch das Klein Venedig von Untergiesing. Dort gibt es einige Kunsthandwerksbetriebe. Kniffliger geht es bei „Denksport @Untergiesing“ zu. Eine nette Abwechslung, wenn man einen Tag an der Isar verbringt.

Wie oben bereits erwähnt, ist dieser Beitrag ein Teil der Blogparade zu München. Gestern war Maria von „immer Ferien“ dran und sagte:“München – i mog di!“ Morgen lest ihr von Jules aus „Jules Backery„. Die Gesamtübersicht findet ihr hier.

Join the discussion 3 Comments

  • Ein toller Artikel, macht total Lust Untergiesing zu entdecken.
    Ich sehe, ich muss zum Candidplatz radeln. Das scheint auch ein guter Ort zu sein um Street Art zu entdecken. Beim meinem Artikel zur Münchner Blogparade habe ich zum Thema Street Art in München auch die Brudermühlbrücke erwähnt. Von wann sind deine Fotos? Ich war für den Artikel vor etwas mehr als einer Woche da und ich habe andere Motive gesehen. Will wissen, ob es sich lohnt in Kürze wieder vorbeizufahren.

  • Wilfried Hoge sagt:

    Vielen Dank, Sonya. Ich bin ja durch mein kaputtes Knie im Moment etwas gehandicapt und habe daher fast nur Archivbilder verwendet. Die Bilder sind also alt. In letzter Zeit habe ich dort keine Aktivität gesehen. Der Candidplatz lohnt sich sehr. Da sind einige tolle Werke zu sehen.

  • […] Wielfried erzählt uns von seinem Stadtvierteil Untergiesing: Untergiesing – Isar, Kunst und Gentrifizierung […]

Leave a Reply